Die AWS European Sovereign Cloud ist keine weitere AWS-Region, sondern eine zweite AWS-Cloud mit eigener Partition (aws-eusc), eigenen Konten, eigener IAM und eigener Abrechnung. Die erste Region, eusc-de-east-1 in Brandenburg, ist seit dem 14. Januar 2026 allgemein verfügbar. Vertragspartner ist Amazon Web Services EMEA SARL, die Preise sind in EUR ausgewiesen.
Wer deshalb nur fragt, was dieselbe Instanz dort kostet, beantwortet die kleinere Hälfte. Die größere lautet: Was kostet es, eine zweite Organisation mit eigenem Payer, eigenen Verpflichtungen und eigener Kostenhistorie zu betreiben, und wie kommt diese zweite Rechnung ins Monatsreporting? Dieses Prüfraster ordnet die Fragen, die FinOps, Plattformteam und Finance vor einer Migration klären sollten.
Stand am 10. Oktober 2026
Seit dem Start hat AWS die Kostenwerkzeuge in der Partition erweitert und die Abrechnungsarchitektur genauer beschrieben. Für eine Kostenentscheidung zählen vor allem diese Punkte:
| Thema | Aktueller Stand | Was das für die Kostenarbeit heißt |
|---|---|---|
| Partition und Region | aws-eusc, eine Region eusc-de-east-1 mit mehreren Availability Zones; souveräne Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal angekündigt | Resilienz über Regionen hinweg gibt es innerhalb der Partition noch nicht; sie kostet heute eine andere Architektur |
| Vertrag und Währung | Vertrag mit Amazon Web Services EMEA SARL, Preise in EUR, Rechnung in einer von acht unterstützten Währungen | Währung von Preis, Rechnung und Budget getrennt festhalten |
| Preisquellen | Preisseiten unter aws.eu, ein eigener AWS Pricing Calculator unter pricing.calculator.aws.eu | Raten als datierten Export sichern, nicht als Rechner-Screenshot |
| Kostenwerkzeuge | Cost Explorer und Cost Optimization Hub; das Cost-and-Usage-Widget der Console Home ist seit dem 28. Juli 2026 verfügbar | Analyse ist in der Partition möglich, aber getrennt vom bestehenden Konto |
| Abrechnungsdaten | AWS empfiehlt Data Exports (CUR 2.0) in ein S3-Bucket eines Finance- oder Governance-Kontos in der Partition; Abrechnungsdaten lassen sich nicht in die kommerzielle Partition replizieren | Eine zweite, eigenständige Kostenquelle einplanen |
| Kaufoptionen | Die Preisseite beschreibt Savings Plans für Compute und Machine Learning mit ein oder drei Jahren Laufzeit sowie Private Pricing über den Account Manager | Verpflichtungen in der neuen Partition gesondert bewerten |
Am 24. Oktober 2026 will AWS die Partition für einige Stunden vom globalen AWS-Backbone trennen, um den unabhängigen Betrieb zu zeigen. Laut Ankündigung bleibt die Verfügbarkeit der Dienste unberührt, kurze Verbindungsunterbrechungen beim Umschalten sind möglich. Für die Kostenentscheidung ist das ein Governance-Nachweis, keine Preisänderung.
Zuerst die Entscheidungsgrenze festlegen
Ob ein Workload Souveränitätskontrollen braucht, ist eine Risiko- und Architekturfrage. Ein scheinbar günstigerer oder teurerer Preis darf sie nicht entscheiden. Die Kostenarbeit beginnt erst, wenn feststeht, welche Workloads die zusätzlichen Kontrollen wirklich benötigen und wer das entschieden hat.
Teilen Sie das Portfolio in drei Gruppen:
- Workloads mit einer dokumentierten Anforderung an die eigenständige EU-Partition, samt Quelle der Anforderung (Vertrag, Ausschreibung, Aufsicht).
- Workloads, bei denen eine bestehende EU-Region der kommerziellen Partition und die vorhandenen Kontrollen genügen könnten.
- Gemeinsame Dienste und Datenflüsse, die beide Umgebungen verbinden würden: Logging, Identität, CI/CD, Monitoring, Backups.
Die dritte Gruppe wird gern vergessen und ist oft die teuerste. IAM-Rollen können nicht über die Partitionsgrenze hinweg übernommen werden, VPC-Endpunkte enden an ihr, und eine Direct-Connect-Verbindung aus der kommerziellen Partition lässt sich nicht in aws-eusc verlängern. Jeder gemeinsame Dienst, der beide Seiten bedienen soll, existiert am Ende zweimal oder braucht einen eigenen Übergang.
Die Kosten in vier getrennten Ebenen prüfen
| Ebene | Zu prüfende Frage | Benötigter Nachweis |
|---|---|---|
| Dienst | Ist der benötigte Dienst mit denselben Funktionen in der Partition verfügbar? | Aktuelle AWS-Capabilities-Übersicht für die Region und Architekturabhängigkeiten |
| Preis | Welche Rate gilt für Region, SKU, Betriebssystem und Kaufmodell? | Datierter Preisexport oder schriftliches Angebot mit Prüfdatum |
| Verpflichtung | Welche Savings Plans, Reservierungen oder privaten Preise greifen auf welcher Seite? | Vertrags- und Billing-Nachweis für beide Payer |
| Betrieb | Welche Kosten entstehen für Migration, Parallelbetrieb, doppelte gemeinsame Dienste und Resilienz? | Architektur, Mengen, Zeitplan und verantwortlicher Owner |
Fassen Sie die vier Ebenen erst zu einer Zahl zusammen, wenn jede Annahme einen Owner und eine Quelle hat. Ein Listenpreisvergleich kann rechnerisch stimmen und trotzdem in die falsche Richtung zeigen, etwa wenn ein Dienst fehlt, eine Verpflichtung auf der alten Seite weiterläuft oder der Parallelbetrieb drei Monate statt drei Wochen dauert.
EUR-Preise sind noch keine Vergleichbarkeit
Preise in EUR machen ein europäisches Budget lesbarer. Die meisten Teams vergleichen aber gegen eine kommerzielle AWS-Rechnung, die in USD bepreist ist. Damit entstehen zwei Fragen, die nichts mit der Partition zu tun haben: welcher Wechselkurs für den Vergleich gilt, und ob eine Differenz aus der Rate oder aus dem Kurs stammt.
Prüfen Sie einzeln:
- In welcher Währung Vertrag, Rechnung und internes Budget geführt werden, und wo ein Kurs angewendet wird.
- Ob Enterprise-Rabatte und private Konditionen für die neue Partition gelten oder neu verhandelt werden müssen.
- Welcher Preisstand und welche SKU im Vergleich verwendet wurden, mit Abrufdatum.
- Wie Steuern, Support und Marketplace-Käufe im internen Reporting behandelt werden.
Veröffentlichte Drittvergleiche nennen pauschale Aufschläge gegenüber Frankfurt. Übernehmen Sie solche Werte nicht: Sie hängen von SKU, Datum und Kaufmodell ab. Ziehen Sie die Raten für genau Ihre Ressourcen aus den offiziellen Preisquellen beider Partitionen und speichern Sie den Export neben der Entscheidung. Der verwendete Kurs, seine Quelle und sein Stichtag gehören ausdrücklich in dasselbe Dokument.
Eine zweite Organisation ist eine zweite Kostenquelle
AWS beschreibt für die Partition eine eigene Organisation mit eigenem Management-Konto und konsolidierter Abrechnung nur innerhalb dieser Organisation. Ein Roll-up über beide Partitionen hinweg ist nicht vorgesehen, und Abrechnungsdaten lassen sich nicht in die kommerzielle Partition replizieren. Behandeln Sie die neue Seite deshalb wie die Abrechnungsdaten eines neuen Anbieters:
- Management-Konto, Payer und Zugriffsweg identifizieren; direkten Zugriff auf das Payer-Konto vermeiden.
- Data Export (CUR 2.0) in ein eigenes Finance-Konto der Partition einrichten und Format, Granularität und Lieferverzug prüfen. Ob Ihr Werkzeug CUR 2.0 oder FOCUS braucht, entscheiden Sie vorher.
- Konten und Ressourcen auf dieselben Kostenstellen, Teams und Produkte abbilden wie im bestehenden Reporting, mit denselben Tag-Schlüsseln.
- Währung und verwendete Kostenart je Datensatz speichern.
- Summen gegen die Rechnung abstimmen, bevor Trend- oder Einsparungsberichte darauf aufbauen.
Zeitreihen brauchen am Umzug einen sichtbaren Bruch. Weiß der Bericht nichts vom Partitionswechsel, erscheint der Umzug in der alten Rechnung als Einsparung und in der neuen als Wachstum. Halten Sie Migrationsdatum, alten und neuen Scope und die einmaligen Migrationskosten fest.
Verpflichtungen vor dem Workload prüfen
Eine Verpflichtung rechnet sich nur, wenn die Nutzung in ihrem Scope anfällt. Mit getrenntem Payer und getrenntem Abrechnungssystem sollten Sie davon ausgehen, dass Savings Plans und Reservierungen der kommerziellen Partition keine Nutzung in aws-eusc abdecken, bis AWS etwas anderes schriftlich bestätigt. Das ist eine Schlussfolgerung aus der dokumentierten Trennung, keine AWS-Aussage.
Klären Sie vor einem Kauf oder Umzug:
- Welche bestehenden Verpflichtungen die Nutzung abdecken, die umziehen soll, und bis wann sie laufen.
- Welche Kaufoptionen in der Partition angeboten werden; die EC2-Preisseite der Partition nennt On-Demand, Savings Plans und Spot, Reserved Instances führt sie nicht auf.
- Wer das Risiko ungenutzter Verpflichtungen auf der alten Seite trägt.
- Ab wann die neue Nutzung stabil genug für eine eigene Verpflichtung ist.
Maximale Abdeckung ist hier kein sinnvolles Ziel. Lassen Sie die neue Nutzung variabel, bis die Migration gezeigt hat, wie sie wirklich aussieht.
Typische Fehlerbilder
- Scheinbare Einsparung: Die kommerzielle Rechnung sinkt, weil Workloads umgezogen sind; niemand addiert die neue Rechnung.
- Unterschätzter Parallelbetrieb: Beide Umgebungen laufen länger als vorgesehen, mit doppelten Daten und doppeltem Monitoring.
- Gestrandete Verpflichtungen: Ein Savings Plan läuft auf der alten Seite weiter, während die Nutzung dort fehlt.
- Gemischte Währungen: USD- und EUR-Werte stehen ohne dokumentierten Kurs in einer Summe.
- Doppelte Plattformdienste: Logging, Sicherheitswerkzeuge und Netzwerkanbindung entstehen pro Partition neu und fehlen im Business Case.
Checkliste für das Entscheidungsdokument
Pro Workload gehört in eine Tabelle:
- die konkrete Souveränitätsanforderung und ihr Entscheider;
- benötigte Dienste und bestätigte Verfügbarkeit in
eusc-de-east-1; - aktueller und geplanter Abrechnungs-Scope, also Payer und Organisation;
- Preisquelle mit Prüfdatum, SKU und Währung;
- anwendbare Verpflichtungen und private Konditionen auf beiden Seiten;
- einmalige Kosten, Dauer des Parallelbetriebs und laufende Betriebsfolgen;
- Daten- und Kostenflüsse über die Partitionsgrenze;
- offene Annahmen, Owner und nächstes Prüfdatum.
Mit dieser Tabelle wird aus dem Streit, ob die AWS European Sovereign Cloud teurer oder günstiger ist, etwas Nachprüfbares. Dieselbe Prüfung für die Bereitstellungsmodelle von Microsoft beschreibt Microsoft Sovereign Cloud: Kosten und Controls richtig vergleichen, die Exit-Seite eines Wechsels EU Data Act: Cloud-Wechselkosten vor 2027 richtig planen. Wo Costfluent selbst sitzt, wo seine Daten liegen und wie es auf Ihre Cloud zugreift, beschreibt die Seite Digitale Souveränität.
Was Costfluent dabei abdeckt
Costfluent liest den AWS-FOCUS-Datenexport über eine IAM-Rolle mit Lesezugriff, wie die AWS-Integrationsseite beschreibt. Diese Verbindung ist für Konten in der kommerziellen AWS-Partition gebaut. Weil eine Rolle aus aws keine Rolle in aws-eusc übernehmen kann, erreicht sie ein Konto in der AWS European Sovereign Cloud nicht; eine solche Verbindung bietet Costfluent nicht an.
Auf der kommerziellen Seite hilft Costfluent bei der Vorbereitung: die Ausgangsbasis je Kostenstelle, Team und Produkt vor dem Umzug, der sichtbare Rückgang nach dem Umzug und die Kosten, die bis dahin auf der alten Seite weiterlaufen. Die Auswertung von Commitment-Abdeckung und -Auslastung ist In Planung. Die neue Partition werten Sie mit den Kostenwerkzeugen in der Partition aus.
Quellen und Methode
Geprüft am 10. Oktober 2026: AWS-Ankündigung Opening the AWS European Sovereign Cloud (14. Januar 2026), AWS European Sovereign Cloud Pricing, Amazon EC2 Pricing in der Partition, Architecting a secure landing zone in the AWS European Sovereign Cloud (16. September 2026), Cost-and-Usage-Widget in der Console Home (28. Juli 2026), AWS European Sovereign Cloud: Demonstrating an independent operation (28. September 2026), AWS European Sovereign Cloud User Guide und AWS Summit Hamburg 2026 Rückblick.
Anbieterangaben belegen Produkt- und Abrechnungsmerkmale. Tabellen und Checklisten sind Empfehlungen von Costfluent und ersetzen keine rechtliche, Sicherheits- oder Vertragsprüfung.



