Was Cloud-Souveränität in Deutschland kostet, steht in keiner einzelnen Preisliste. Die Kosten entstehen aus Betriebsmodell, fehlenden Diensten, Support, Migration und der Qualität der Abrechnungsdaten, und jedes Angebot verschiebt diese Posten anders. Hier finden Sie sieben Kostenkriterien mit Prüfweg und einen Vergleichsablauf, bewusst ohne Ranking.

Welche Angebote deutsche Unternehmen prüfen

Die Angebote lassen sich vier Bauarten zuordnen, und die Bauart bestimmt, welche Kosten überhaupt anfallen:

  • Getrennte Partition eines Hyperscalers. Die AWS European Sovereign Cloud ist seit dem 14. Januar 2026 allgemein verfügbar, mit der Region eusc-de-east-1 in Brandenburg in der eigenen Partition aws-eusc. Bestehende AWS-Konten gelten dort nicht; Sie brauchen neue Konten, und die Abrechnung läuft über ein eigenes System. Vertragspartner für Kunden mit EU-Standort ist Amazon Web Services EMEA SARL in Luxemburg, Preise stehen in Euro.
  • Kontrollen auf bestehenden öffentlichen Regionen. Microsoft beschreibt als Sovereign Public Cloud den Betrieb in Microsoft-Rechenzentren innerhalb der EU Data Boundary mit zusätzlichen Kontrollen wie External Key Management. Google bietet in Deutschland „Germany Data Boundary by T-Systems“ an: Ordner in einer Google-Cloud-Organisation mit festgelegten Kontrollen und dem Ressourcenstandort europe-west3.
  • Partnerbetriebene Varianten. Microsofts National Partner Clouds werden von lokalen Gesellschaften betrieben; für Deutschland nennt Microsoft Delos Cloud, betrieben von einer SAP-Tochter.
  • Eigenständige europäische Plattformen. STACKIT, IONOS Cloud, OVHcloud und die Open Telekom Cloud haben eigene APIs, eigene Preislisten und einen eigenen Dienstumfang.

Notieren Sie für jedes Angebot zuerst seine Bauart.

Sieben Kostenkriterien und wie Sie sie prüfen

KriteriumKostenfrageSo prüfen Sie es
Betriebsmodell, Rechtsraum und KontrolleWer ist Vertragspartner, wer betreibt, wer hat Administrations- und Supportzugriff? Welche Kontrollen (Schlüsselverwaltung, Zugriffsfreigabe) kosten extra?Vertragspartner aus Vertrag und Kundenvereinbarung, Betriebsbeschreibung des Anbieters, jede Kontrolle als eigene Position im Preisrechner
Lücken im ServicekatalogWelche genutzten Dienste fehlen oder sind eingeschränkt, und was kostet der Ersatz?Dienstliste oder Service-Matrix des Angebots gegen die Dienste aus Ihrem Kostenexport der letzten drei Monate
Preisliste und WährungGibt es eine öffentliche Preisliste, in welcher Währung, netto oder brutto, mit welcher Abrechnungseinheit und welchen Commitment-Modellen?Preisrechner mit Datum, Region und Konfiguration archivieren; Rechnungssteller und Umsatzsteuerbehandlung mit der Steuerberatung klären
Support und BetriebszugangWas kostet Support im neuen Modell, wer leistet ihn, und gilt Ihr bestehender Supportvertrag dort?Supportpreisliste und Leistungsbeschreibung, Eskalationsweg im Vertrag
Migration und EgressWas kosten Datentransfer aus der Quelle, Parallelbetrieb, Umbau und ein späterer Exit?Egress-Preise der Quelle, Wechsel- und Exitklauseln, eigene Aufwandsschätzung
Abrechnungsdaten und ExportBekommen Sie einen maschinenlesbaren Kostenexport mit Ressourcen-IDs, Tags und Kontohierarchie?Beispielexport anfordern und mit einer Monatsrechnung abgleichen
Zertifizierungen als NachweisDeckt das Testat die Dienste und den Betrieb ab, die Sie nutzen, und was müssen Sie selbst ergänzen?C5-Prüfbericht anfordern, Prüfungszeitraum und Scope gegen Ihre Dienstliste lesen

Ein Kriterium ist geprüft, wenn rechts ein Dokument mit Datum steht. „Laut Vertrieb“ ist kein Nachweis.

Warum Listenpreise allein nicht vergleichbar sind

Dieselbe Instanzgröße ist in einer getrennten Partition ein anderer Preispunkt als in einer kommerziellen Region, und der Unterschied liegt nicht nur im Compute-Preis. Drei Effekte verzerren den Vergleich.

Währung. Die AWS European Sovereign Cloud weist Preise und Rechnungen in Euro aus; bezahlen lässt sich je nach Kundenstandort in Euro oder einer bevorzugten Währung. Kommerzielle AWS-Regionen publizieren Listenpreise in US-Dollar. Wer beide nebeneinanderstellt, vergleicht auch einen Wechselkurs. Rechnen Sie beide Seiten in dieselbe Berichtswährung um und notieren Sie Kursquelle und Stichtag.

Commitments. Savings Plans, Reservierungen oder ein Rahmenvertrag mit Mindestumsatz gehören zu einer Organisation und einem Vertrag; eine neue Partition oder ein neuer Anbieter übernimmt sie nicht automatisch. Wandert Last ab, während das alte Commitment läuft, bleibt es teilweise ungenutzt. Prüfen Sie Laufzeiten vor dem Migrationstermin.

Support. AWS veröffentlicht für die European Sovereign Cloud eigene Supportpreise in Euro. Business Support kostet dort den höheren Betrag aus mindestens 86 € pro Monat und einem gestaffelten Prozentsatz der dort angefallenen Monatskosten; Enterprise Support beginnt bei 4.300 €. Die Gebühr bemisst sich an den Kosten in der European Sovereign Cloud, deren Konten getrennt sind; planen Sie einen eigenen Supportvertrag ein und lassen Sie sich das von AWS bestätigen.

Dieselbe Instanz in kommerziellerRegion und getrennter PartitionWährung: beide Listen in eineBerichtswährung umrechnenCommitments: eine neue Partitionübernimmt sie nichtSupport: eigener Vertrag,bemessen an der PartitionEine vergleichbare Summe je Workload
Dieselbe Instanz, zwei Preise und drei Effekte dazwischen: Währungen umrechnen, prüfen, welche Commitments mitgehen, und Support getrennt bepreisen

Lücken im Servicekatalog in Ersatzkosten übersetzen

Fehlende Dienste übersieht ein Preisvergleich am leichtesten. Microsoft beschreibt die National Partner Clouds als physisch und logisch getrennt und unabhängig betrieben; fordern Sie die Dienstliste beim Betreiber an, statt die des globalen Azure vorauszusetzen. Google schreibt zu „Germany Data Boundary by T-Systems“, dass ein nicht gelistetes Produkt nicht unterstützt wird und die Kontrollanforderungen nicht erfüllt hat, und dass nicht unterstützte Produkte denselben API-Endpunkt wie unterstützte nutzen können. Der zweite Punkt ist ein Governance-Thema mit Kostenfolge: Sie brauchen eine Richtlinie, die solche Dienste sperrt.

So machen Sie aus der Lücke eine Zahl:

  1. Exportieren Sie Ihre Kosten der letzten drei vollständigen Monate nach Dienst und Region.
  2. Markieren Sie jeden Dienst im Zielangebot als verfügbar, eingeschränkt oder fehlend, mit Link auf die Dienstliste und Datum.
  3. Wählen Sie für jeden fehlenden Dienst einen Ersatz: selbst betrieben, Drittanbieter oder Architekturänderung.
  4. Schätzen Sie für den Ersatz Laufkosten, Betriebsaufwand (Bereitschaft, Patches, Upgrades) und Umbauaufwand getrennt.
verfügbareingeschränkt oder fehlendneinjaJeder Dienst aus Ihren Kosten derletzten drei vollständigen MonateIn der datierten Dienstlistedes Zielangebots?Im Kalkulator des Ziels bepreisenErsatz wählen: selbst betrieben,Drittanbieter oder ArchitekturänderungBricht der Ersatz die Anforderunghinter der ganzen Bewertung?Laufkosten, Betriebsaufwand undUmbauaufwand getrennt schätzenAnderen Ersatz wählen
Jeder Dienst aus den Kostendaten wird gegen die datierte Dienstliste des Ziels geprüft; eine Lücke wird zu einem Ersatz mit eigenen Lauf-, Betriebs- und Umbaukosten

Prüfen Sie außerdem, ob ein Drittanbieter-Ersatz die Anforderung verletzt, wegen der Sie das Angebot überhaupt prüfen.

Migration, Parallelbetrieb und Exit

Der EU Data Act untersagt Anbietern ab dem 12. Januar 2027, für den Wechselprozess Wechselentgelte zu verlangen; bis dahin dürfen reduzierte Entgelte die unmittelbar mit dem Wechsel verbundenen Kosten des Anbieters nicht übersteigen. Standardentgelte, eigene Migrationsarbeit, Parallelbetrieb und Neubau bleiben Ihre Kosten. Die Details stehen im Artikel zu Cloud-Wechselkosten nach dem EU Data Act.

Planen Sie den Parallelbetrieb als eigenen Zeitraum mit Kosten in Quelle und Ziel plus Datentransfer für Synchronisierung und Cutover. Rechnen Sie den späteren Exit aus dem neuen Angebot gleich mit.

Abrechnungsdaten: das unterschätzte Kriterium

Eine getrennte Partition hat eine eigene Abrechnung, ein neuer Anbieter ein eigenes Exportformat. Wenn Kostenstellen-Tags fehlen, die Kontohierarchie anders aussieht oder Gutschriften nicht im Export erscheinen, zahlen Controlling und Engineering jeden Monat mit Handarbeit.

Fragen Sie nach einem Export im FinOps-Standard FOCUS (Begriff im Glossar). Die FOCUS-Website der FinOps Foundation listete am 10. Oktober 2026 unter anderem AWS, Microsoft, Google Cloud und STACKIT mit FOCUS 1.2 sowie OVHcloud mit FOCUS 1.0 als Datenlieferanten. Fehlt ein Anbieter dort, heißt das nicht, dass er keinen Export hat. Prüfen Sie den Beispielexport auf:

  • tägliche Granularität und Ressourcen-IDs,
  • Tags oder Labels in den Kostenzeilen,
  • Commitments und Gutschriften als eigene Zeilen,
  • Korrekturen nach Monatsende und Abgleich mit der Rechnung,
  • einen API-Zugriff, der ohne Konsolen-Login funktioniert.

Für AWS-Exporte hilft der Vergleich CUR 2.0 oder FOCUS.

Zertifizierungen als Nachweis, nicht als Preisargument

Der C5-Kriterienkatalog des BSI legt Mindestanforderungen an die Informationssicherheit von Cloud-Diensten fest. Auditoren, die der Anbieter beauftragt, prüfen die Kriterien, und das Ergebnis ist ein Testat. Das BSI empfiehlt Kunden, den C5-Prüfbericht zu Beginn und danach jährlich anzufordern und auszuwerten, und macht den Kunden dafür verantwortlich, die Mindestkriterien für den eigenen Anwendungsfall zu ergänzen. Das C5 wurde 2025/26 grundlegend überarbeitet; fragen Sie, nach welcher Fassung geprüft wurde.

Lesen Sie, welche Dienste, Standorte und Zeiträume der Bericht abdeckt; ein Testat der globalen Plattform deckt eine neue Partition oder Partnercloud nicht automatisch ab. Ergänzende Kontrollen, die der Bericht dem Kunden zuweist, sind Ihr Aufwand.

Für die Beschaffung hat die Europäische Kommission am 20. Oktober 2025 ein Cloud Sovereignty Framework veröffentlicht. Es legt Kriterien, Zusicherungsstufen und eine Bewertungsmethode über strategische, rechtliche, operative und technologische Dimensionen fest. Welche Stufe Sie brauchen, entscheidet Ihre Beschaffung. Ob ein Angebot Ihre rechtlichen Anforderungen erfüllt, beurteilen Rechtsberatung und Datenschutz; dieser Artikel ersetzt das nicht.

Ein Workload-Durchlauf statt eines Rankings

Vergleichen Sie an einem echten Workload, nicht an einer Musterarchitektur:

  1. Einen Workload mit klarer Verantwortung wählen und seine Basiskosten nach Dienst, Region und Monat festhalten.
  2. Die Anforderungen als Kontrollen formulieren lassen: Wer darf administrieren, wo liegen Daten und Schlüssel, wer leistet Support.
  3. Für jedes Angebot die Dienstzuordnung und die Ersatzkosten nach dem Abschnitt oben ausfüllen.
  4. Das Ziel im Preisrechner des Anbieters bepreisen: gleiche Konfiguration, eine Berichtswährung, Preisstand notiert, zuerst ohne, dann mit Commitments.
  5. Einmal- und Exitkosten ergänzen.
  6. Einen Beispielexport auf Ihre Kostenstellen abbilden.
  7. Jede offene Abweichung mit Owner und Frist an die Geschäftsführung geben.

Für Schritt 4 und 5 genügt ein Kostenblatt mit Platzhaltern:

Laufzeit T (Monate), je Angebot:
  Laufend   = T × (Laufkosten + Support + Kontrollen + Ersatzdienste + Betriebsaufwand)
  Einmalig  = Migration + Parallelbetrieb (Monate × (Quelle + Ziel)) + Datentransfer + Umbau
  Exit      = Datentransfer + Umbau + Parallelbetrieb beim späteren Wechsel
  Gesamt    = Laufend + Einmalig + Exit
  Offene Punkte: Kriterium | fehlender Nachweis | Owner | Frist

Wo Costfluent in diesem Vergleich vorkommt

Costfluent liest Kostendaten aus AWS, Azure und Google Cloud über native, lesende Abrechnungsconnectors. Mit Kostenberichten und gespeicherten Ansichten halten Sie die Basiskosten aus Schritt 1 nach Dienst und Region fest. Importe von Abrechnungsdateien weiterer Anbieter sind In Planung. Wie Costfluent selbst Sitz, Hosting, Zugriff und Datenmitnahme beschreibt, steht unter Souveränität; dieselben Kriterien gelten für ein Kostenwerkzeug.

Quellen und Methode

Geprüft am 10. Oktober 2026: AWS: Opening the AWS European Sovereign Cloud, AWS European Sovereign Cloud FAQ, AWS European Sovereign Cloud Support-Preise, Microsoft Learn: What is Microsoft Sovereign Cloud?, Microsoft Learn: National Partner Clouds, Google Cloud: Germany Data Boundary by T-Systems, BSI: Kriterienkatalog C5, Verordnung (EU) 2023/2854, Art. 29, FinOps Foundation: FOCUS, Europäische Kommission: Cloud Sovereignty Framework. Kriterien, Tabelle und Ablauf sind Costfluent-Empfehlungen, keine Rechts-, Steuer- oder Beschaffungsberatung. Die Angebote sind Beispiele des Marktes und weder bewertet noch gereiht.