Der CO2-Fußabdruck der Cloud ist die Menge an Treibhausgasen, die AWS, Microsoft und Google der Cloud-Nutzung eines Kunden zurechnen, ausgewiesen in CO2-Äquivalenten aus Scope 1, 2 und 3 ihres eigenen Betriebs. Beim Kunden gehören diese Emissionen zu Scope 3, der vorgelagerten Wertschöpfungskette, und die Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) nennen gekaufte Cloud- und Rechenzentrumsdienste ausdrücklich als Teil der Kategorie erworbene Waren und Dienstleistungen. Jeder Anbieter rechnet mit eigener Systemgrenze, eigener Zurechnung, eigener Einheit und eigenem Zeitverzug. Wer den CO2-Fußabdruck der Cloud neben die Kosten stellt oder in einen Bericht übernimmt, muss diese Unterschiede kennen; ob und ab wann ein Unternehmen nach der CSRD berichtet, beurteilen Prüfer und Rechtsberatung.

So funktioniert es

CSRD und ESRS

Die CSRD, Richtlinie (EU) 2022/2464, hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung in die Bilanzrichtlinie eingefügt. Zwei Änderungen bestimmen den Stand am Lesetag. Die Richtlinie (EU) 2025/794 vom 14. April 2025 verschob die Anwendung für die zweite Welle auf Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027. Die Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24. Februar 2026 beschränkt die Pflicht für Geschäftsjahre ab 2027 auf Unternehmen und Gruppen, die einen Nettoumsatz von 450 Millionen Euro und im Durchschnitt 1.000 Beschäftigte überschreiten; die Mitgliedstaaten setzen sie bis zum 19. März 2027 um und dürfen Unternehmen der ersten Welle unterhalb dieser Schwellen für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 befreien.

Die ESRS stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772. Die Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563 vom 3. Juli 2026 ersetzt ihre Standards durch vereinfachte Fassungen; sie tritt am 10. November 2026 in Kraft und gilt für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027, für 2026 dürfen Unternehmen wählen. Der Klimastandard ESRS E1 verlangt in beiden Fassungen die Bruttoemissionen nach Scope 1, 2 und 3, Scope 2 standortbezogen und marktbezogen. Gekaufte Cloud-Computing- und Rechenzentrumsdienste weist ein Unternehmen als Teilmenge der Scope-3-Kategorie 1 aus, in der geltenden Fassung, wenn sie für Scope 3 wesentlich sind. Für Scope 3 verweist E1 auf den Scope-3-Standard des GHG Protocol von 2011, der fünfzehn Kategorien vor- und nachgelagerter Emissionen unterscheidet.

AWS

AWS weist die Emissionen in der Konsole AWS Sustainability aus, die nach AWS auf dem Customer Carbon Footprint Tool aufbaut. Scope 2 erscheint standort- und marktbezogen. Scope 3 umfasst vorgelagerte Emissionen aus Brennstoffen und Strom und die graue Energie von IT-Hardware, Rechenzentrumsgebäuden und weiterer Technik; Lager, Büros und Standorte beim Kunden fehlen. Zugerechnet wird physisch nach Nutzung, wo ein Dienst eigene Racks hat, sonst wirtschaftlich. Die Daten erscheinen monatlich bis zum 21. des Folgemonats, reichen bis Januar 2022 zurück und sind nach Region, Dienst und in einer Organisation nach Nutzungskonto aufgeschlüsselt. Bei einer neuen Methodenversion rechnet AWS die Historie neu; wer alte Stände behalten will, dem empfiehlt AWS einen Export über Data Exports.

Azure

Microsoft weist die Emissionen in Carbon optimization im Azure-Portal aus, ohne Aufpreis und bis auf Ressourcenebene, nach Abonnement, Ressourcengruppe, Ressourcentyp und Standort. Ein Monat steht bis zum 19. des Folgemonats bereit, gespeichert werden zwölf Monate, und Scope 2 ist dort der marktbezogene Wert. Das ältere Emissions Impact Dashboard braucht eine Power-BI-Pro-Lizenz, deckt Kunden nicht ab, die über einen Cloud Solution Provider kaufen, und wird am 31. März 2027 eingestellt. Nach der Methodik fasst Microsoft Scope 1 mit Scope 2 zusammen, Scope 3 erfasst den Lebenszyklus der Rechenzentrumshardware in den Kategorien 1, 2, 4, 5, 9 und 12, und zugerechnet wird nach dem Anteil an der Azure-Nutzung je Region. Diese Nutzung kann nach Microsoft von der abgerechneten abweichen.

Google Cloud

Google Cloud Carbon Footprint weist Scope 1, Scope 2 standortbezogen mit stündlichen und marktbezogen mit jährlichen Faktoren sowie Scope 3 aus. Scope 3 enthält unter anderem die graue Energie von Rechenzentrumsausrüstung und Gebäuden, aber nicht deren Entsorgung. Zugerechnet wird nach SKU-Nutzung, gewichtet mit dem Listenpreis in US-Dollar und angepasst an die CO2-Intensität der Region. Die Werte gelten je Monat, Projekt, Dienst und Region. Der Export nach BigQuery läuft je Abrechnungskonto am 15. des Folgemonats; ältere Monate ab Januar 2021 kommen nur per Backfill, und Speicher und Abfragen in BigQuery werden berechnet. Das Feld carbon_model_version nennt die Modellversion. Google schreibt, dass die kundenspezifischen Daten nicht extern geprüft sind und Methodenänderungen auch frühere Werte verändern können.

AWSMicrosoftGoogle Cloud
EinheitTonnen CO2eTonnen CO2eKilogramm CO2e
Scope 2 im Werkzeugstandort- und marktbezogenmarktbezogenstandort- und marktbezogen
Zurechnungphysisch, sonst wirtschaftlichNutzungsanteil je RegionSKU-Nutzung, gewichtet mit Listenpreis
Verfügbarbis zum 21. des Folgemonatsbis zum 19. des FolgemonatsExport am 15. des Folgemonats
Historieab Januar 2022, neu berechnet bei Methodenwechselzwölf MonateBackfill ab Januar 2021
Feinste EbeneKonto, Region, DienstRessourceProjekt, Dienst, Region

Was es für Ihre Kosten bedeutet

Emissionen werden zu einer Kennzahl neben den Kosten, gruppiert nach denselben Kostendimensionen (wie Gruppierung und Filter wirken): Konto, Abonnement oder Projekt, Dienst, Region und Monat. Die Verbindung gelingt nur auf der feinsten Ebene, die beide Datensätze teilen: bei AWS Konto, Region und Dienst, bei Google Projekt, Dienst und Region, bei Microsoft die Ressource. Tags oder Labels nennt keine der gelesenen Beschreibungen als Dimension der Emissionsdaten; wer Emissionen Teams zuordnen will, braucht eine Konto- oder Projektstruktur, die den Teams folgt.

Bei zwei Anbietern liegen Emissions- und Kostendaten nebeneinander: Google exportiert in BigQuery wie der Google-Cloud-Abrechnungsexport, AWS bietet eine eigene Tabelle in Data Exports neben dem Cost and Usage Report. Sind die Kostendaten bereits in ein gemeinsames Schema wie FOCUS überführt, ist die Zuordnung von Konto, Dienst und Region für alle Anbieter dieselbe Arbeit. Weil Google mit Listenpreisen gewichtet, verändern Rabatte und Commitments die Kosten, nicht aber diesen Teil der Zurechnung.

Wo es schiefgeht

  • Marktbezogene Werte als standortbezogen gelesen. Microsoft erklärt Scope-2-Werte von null in Carbon optimization damit, dass dort der marktbezogene Wert steht. ESRS E1 verlangt beide Werte.
  • Historie nach Methodenwechsel verändert. AWS rechnet die Historie bei jeder neuen Version neu, Microsoft hat seine Daten im Februar 2024 neu berechnet, Google kann frühere Werte anpassen. Ein Bericht, der alte Zahlen zitiert, passt danach nicht mehr zur Konsole, wenn kein Export mit Datum und Modellversion vorliegt.
  • Fehlende Monate. Die Werte eines Monats kommen erst im Folgemonat, bei Google am 15., bei Microsoft bis zum 19. und bei AWS bis zum 21. Ein Bericht, der früher schließt, hat einen Monat weniger, und neue Abonnements zeigen bei Microsoft erst nach mindestens einem Monat Daten.
  • Einheiten gemischt. Google liefert Kilogramm, AWS und Microsoft Tonnen; eine Summe ohne Umrechnung ist um den Faktor 1.000 verzerrt.
  • Drei Anbieter addiert, als wäre es eine Messung. Die Systemgrenzen unterscheiden sich: Google schließt die Entsorgung aus, Microsoft zählt in Scope 3 ausgewählte Kategorien der Hardware, die Rechenzentrumsgebäude bisher nicht, AWS lässt Büros und Lager weg. Wie solche Zahlen angeglichen werden, ist eine methodische Entscheidung.
  • Historie nicht gesichert. Microsoft hält zwölf Monate vor und stellt sein Dashboard ein; ohne regelmäßigen Export fehlt der Vorjahresvergleich.

Ob die Werte der Provider für eine Nachhaltigkeitserklärung genügen und wie sie angepasst werden, beurteilen Nachhaltigkeitsverantwortliche und Prüfer.

Quellen

Gelesen am 2026-10-16. EUR-Lex Richtlinie (EU) 2022/2464 (CSRD), Richtlinie (EU) 2025/794, Richtlinie (EU) 2026/470, Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 (ESRS) und Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563; GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Standard; AWS AWS Sustainability, Systemgrenze, Zurechnung, Grundbegriffe, Spalten der Emissionstabelle in Data Exports und Sustainability-Konsole; Microsoft Carbon optimization, Fehlerbehebung, Berechnungsmethodik und Emissions Impact Dashboard; Google Cloud Methodik von Carbon Footprint, Export und Datenschema.