Eine souveräne Cloud ist in der Sprache der großen Provider ein Angebot, das Daten, Betrieb und Verwaltungszugriff auf Europa begrenzt, entweder als eigene, getrennte Umgebung oder als zusätzliche Kontrollen auf der normalen Cloud. Für die Rechnung ist diese Bauform wichtiger als das Etikett. Eine getrennte Umgebung bringt eine eigene Preisliste, eigene Konten, eigene Abrechnungsdaten und unter Umständen eine eigene Rechnung mit, während Kontrollen auf der normalen Cloud zu den bekannten Preisen laufen, zuzüglich dessen, was die Kontrollen selbst kosten. Wer eine Europäische Sovereign-Cloud in die Planung nimmt, vergleicht deshalb zuerst die Bauform und erst danach die Preise.

So funktioniert es

Die drei Provider verwenden dasselbe Wort für sehr verschiedene Angebote. Die folgenden Abschnitte geben wieder, wie jeder Provider sein Angebot heute benennt und beschreibt.

AWS

Die AWS European Sovereign Cloud ist nach Angaben von AWS physisch und logisch von den übrigen AWS-Regionen getrennt, mit eigenem Abrechnungssystem. Ihre erste Region steht in Deutschland. Bestehende AWS-Konten lassen sich dort nicht verwenden: Wer sie nutzen will, legt ein neues Konto an, und diese Konten sind mit den anderen Regionen nicht interoperabel. Betrieben wird die erste Region von Gesellschaften nach deutschem Recht unter der AWS European Sovereign Cloud GmbH, mit Personal, das in der EU ansässig ist und dort arbeitet; AWS beschreibt einen Übergang zu einem Betrieb ausschließlich durch EU-Bürger. Vertragspartner ist laut FAQ die Amazon Web Services EMEA SARL in Luxemburg. Abrechnung, Rechnungen und Kostenwerkzeuge laufen in Euro. AWS veröffentlicht eigene Preisseiten für die AWS European Sovereign Cloud, bietet berechtigten Kunden Private Pricing an und führt Savings Plans für Compute und Machine Learning. Welche Dienste verfügbar sind, beschreibt das eigene Benutzerhandbuch Dienst für Dienst, jeweils mit den wesentlichen Unterschieden zur Umsetzung in den übrigen Regionen.

Azure

Microsoft fasst seine Angebote unter dem Namen Microsoft Sovereign Cloud zusammen, früher Microsoft Cloud for Sovereignty, und unterscheidet drei Bereitstellungsmodelle. Die Sovereign Public Cloud läuft in den bestehenden, von Microsoft betriebenen Azure-Regionen innerhalb definierter Grenzen wie der EU Data Boundary und ergänzt sie um Kontrollen: kundenverwaltete Schlüssel, Confidential Computing, Data Guardian und eine Sovereign Landing Zone mit Richtlinien als Code. Die Sovereign Private Cloud läuft auf Azure Local in Rechenzentren, die der Kunde oder ein Partner betreibt, verbunden mit Azure oder vollständig getrennt. National Partner Clouds betreibt ein nationaler Partner unabhängig vom Betrieb durch Microsoft; Microsoft beschränkt sie auf berechtigte Kunden in wenigen Ländern, etwa Deutschland und Frankreich.

Google Cloud

Google beschreibt drei Bausteine. Google Cloud Data Boundary legt Datenresidenz und Zugriffskontrollen innerhalb der öffentlichen Cloud fest: Kerndaten bleiben in der gewählten Region, Verwaltungszugriff wird protokolliert und an Bedingungen geknüpft, Schlüssel lassen sich auch extern halten. Google Cloud Dedicated ist eigene, isolierte Infrastruktur mit unabhängigem Betrieb durch einen nationalen Partner. Google Distributed Cloud bringt Google Cloud in eigene Rechenzentren, verbunden oder vollständig vom Internet getrennt.

Was es für Ihre Kosten bedeutet

Die Kostenfrage hängt an der Bauform. Kontrollen auf der normalen Cloud ändern die Preisliste nicht: Microsoft schreibt für die Sovereign Public Cloud, dass Sie Standardpreise von Azure zahlen und Mehrkosten aus den Diensten, SKUs oder Regionen entstehen, die Sie für die nötigen Kontrollen wählen, etwa Confidential Computing oder kundenverwaltete Schlüssel. Microsoft weist auch darauf hin, dass der Preisrechner die Sovereignty-Kontrollen womöglich nicht vollständig abbildet. Getrennte Umgebungen verändern dagegen fast alles, was ein Kostenbericht voraussetzt:

  • Eigene Preisliste. Die AWS European Sovereign Cloud hat eigene Preisseiten und Private Pricing. Für National Partner Clouds legt nach Microsoft der Partner Preise, Dienstumfang und Support fest. Die Sovereign Private Cloud bringt Hardware, Lizenzen und den eigenen Betrieb als neue Kostenarten.
  • Eigene Konten, eigene Daten. Neue AWS-Konten in einem eigenen Abrechnungssystem bedeuten eigene Abrechnungsdaten und eine eigene Rechnung in Euro. Die Billing-Dokumentation nennt Funktionen, die dort fehlen: den Legacy-CUR, beim CUR 2.0 unter anderem Split Cost Allocation Data und Billing Views, den CSV-Download auf der Bills-Seite und AWS Billing Conductor.
  • Weniger Dienste und Regionen. Ein Dienst, den es in der Zielumgebung nicht gibt, hat dort keinen Preis, und eine Architektur, die ihn braucht, verändert sich.
  • Commitments. In der AWS European Sovereign Cloud ist das Teilen von Savings Plans und Reserved Instances in Gruppen nicht verfügbar. Weil die Konten mit den übrigen Regionen nicht interoperabel sind, folgt daraus, dass Commitments aus bestehenden Konten die Nutzung dort nicht abdecken.
  • Datentransfer. Daten, die zwischen der getrennten und der normalen Umgebung fließen, verlassen die eine und erreichen die andere. AWS nennt eingehenden Datentransfer kostenfrei und ausgehenden gestaffelt; welcher Preis gilt, steht in der Preisliste der jeweiligen Seite.

Ein Vergleich gelingt deshalb nur Dienst für Dienst, mit der Preisliste des Providers für die Zielumgebung, für die Dienste, die dort tatsächlich verfügbar sind. Ein pauschaler Aufschlag in Prozent sagt nichts über eine konkrete Rechnung. Die Fragen vor einer Migration ordnet der Artikel AWS European Sovereign Cloud: die Kostenfragen vor einer Migration, den Vergleich auf Microsoft-Seite Microsoft Sovereign Cloud: Kosten und Controls richtig vergleichen.

Wo es schiefgeht

  • Standardpreise angenommen. Die Kalkulation übernimmt Preise einer bekannten Region, obwohl die getrennte Umgebung eine eigene Preisliste hat. Die erste Rechnung weicht ab, ohne dass sich die Nutzung geändert hat.
  • Jeder Dienst vorausgesetzt. Die Architektur nutzt einen Dienst oder eine Funktion, die in der Zielumgebung fehlt oder anders umgesetzt ist. Der Ersatz kostet anders, und der Fehler fällt erst bei der Migration auf.
  • Commitments in der falschen Umgebung. Ein Savings Plan oder eine Reservierung wird in einem bestehenden Konto gekauft, die Last läuft aber in den neuen Konten der AWS European Sovereign Cloud. Die Zusage bleibt ungenutzt, die neue Nutzung läuft zum On-Demand-Preis.
  • Zwei Rechnungen, die niemand zusammenführt. Getrennte Konten liefern getrennte Abrechnungsdaten, oft in einer anderen Währung als die bestehende Umgebung. Ohne gemeinsame Sicht fehlt ein Teil der Kosten in Berichten und Budgets.
  • Das Etikett als Rechtsstatus gelesen. Die Bezeichnung eines Angebots ist ein Produktname, keine rechtliche Einstufung. Microsoft schreibt selbst, dass der Kunde entscheidet, welche Kontrollen gelten, sie konfiguriert und den Nachweis führt. Ob ein Angebot eine Anforderung erfüllt, entscheiden Ihr Rechtsberater und Ihr Prüfer.

Beispiel

Google veröffentlicht für Assured Workloads ein kostenloses und ein Premium-Angebot, gelesen am 2026-10-15. Das Kontrollpaket EU Data Boundary kostet nichts zusätzlich. Die Pakete EU Data Boundary and Support sowie EU Data Boundary with Access Justifications kosten 5 % auf alle Google-Cloud-Nutzungsausgaben im jeweiligen Ordner und erscheinen als eigene Position unter der SKU von Assured Workloads.

Quellen

Gelesen am 2026-10-15. AWS European Sovereign Cloud: FAQ, AWS European Sovereign Cloud: Preise, AWS Billing and Cost Management in der European Sovereign Cloud, AWS Dienste in der European Sovereign Cloud, Microsoft Was ist Microsoft Sovereign Cloud?, Microsoft Cloud Adoption Framework: Einführung digitaler Souveränität, Google Sovereign-Cloud-Angebote von Google, Google Assured Workloads: Preise.