Ob eine Cloud-Rechnung Umsatzsteuer ausweist oder ohne Steuerbetrag kommt, hängt davon ab, welche Gesellschaft des Providers die Rechnung stellt und welche Steuerdaten auf dem Konto hinterlegt sind. Für die Kosten ist das keine Formalie. Dieselbe Nutzung erscheint je nach Rechnungssteller mit oder ohne Steuer, eine fehlende Steuernummer kann den Rechnungsbetrag verändern, und ein Bericht, der Netto- und Bruttobeträge mischt, vergleicht Monate und Konten, die nicht vergleichbar sind. Diese Seite beschreibt, was die Provider auf ihren Rechnungen und in ihrer Steuerdokumentation zeigen und wie die Europäische Kommission den Mechanismus allgemein erklärt. Welche Steuer für Ihr Unternehmen gilt, entscheidet Ihr Steuerberater.

So funktioniert es

Jeder Provider verkauft in Europa über eigene Gesellschaften. Welche davon Ihre Rechnung stellt, richtet sich nach Adresse und Land des Kontos, und diese Gesellschaft bestimmt zusammen mit der Steuernummer auf dem Konto, ob die Rechnung Umsatzsteuer berechnet.

Den allgemeinen Mechanismus beschreibt die Kommission in ihren Rechnungsregeln: Beim Reverse-Charge-Verfahren schuldet nicht der Leistende, sondern der Kunde die Steuer. Die Rechnung trägt dann den Vermerk „Reverse Charge“ und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Kunden. Ob das Verfahren auf einen bestimmten Einkauf anzuwenden ist, entscheidet Ihr Steuerberater.

AWS

AWS verkauft an Konten in der EU über die Amazon Web Services EMEA SARL mit Sitz in Luxemburg. Sie hat Niederlassungen in 17 EU-Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Irland und die Niederlande. Diese Niederlassungen sind rechtlich dieselbe Gesellschaft und treten umsatzsteuerlich als lokaler Anbieter auf. Für Konten in diesen Ländern berechnet AWS nach eigener Dokumentation Umsatzsteuer ab dem jeweils genannten Stichtag, und die Steuernummer des Kunden, bei AWS TRN genannt, steht auf der Rechnung, damit er die berechnete Steuer geltend machen kann. In EU-Ländern ohne Niederlassung berechnet AWS die lokale Umsatzsteuer, solange keine gültige TRN hinterlegt ist, und weist darauf hin, dass ein Kunde, dem keine Steuer berechnet wird, sie nach lokalem Recht unter Umständen selbst anmelden muss. Den Standort jedes Kontos bestimmt AWS bei der Rechnungsstellung aus TRN, Rechnungs- und Kontaktadresse und zeigt ihn als „Tax Address“.

Azure

Microsoft unterscheidet zwei Fälle. In einer Reihe von Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich, verkauft im Modell des Limited Risk Distributor eine lokale Microsoft-Tochter an Kunden mit einem Microsoft Customer Agreement. Für Kunden außerhalb dieses Modells nennt Microsoft in EMEA die Microsoft Ireland Operations Limited als Rechnungssteller. Steuerart und Steuerbetrag richten sich nach dem Land des Abrechnungsprofils; wer keine Steuer zahlen muss, sieht laut Microsoft keine Steuer auf der Rechnung.

Google Cloud

Google nennt als Vertragspartner für Kunden mit Rechnungsadresse in EMEA die Google Cloud EMEA Limited in Irland, für Frankreich, Italien und Polen jeweils eine eigene Landesgesellschaft. Für EU-Kunden außer in Frankreich und Irland hängt die Steuer an der Kontoart: Bei einem Business-Konto fügt Google keine Umsatzsteuer hinzu, und der Kunde ermittelt die Steuer zum Satz seines Landes; bei einem Konto als Einzelunternehmer berechnet Google die lokale Umsatzsteuer. Die Kontoart lässt sich nach dem Anlegen des Cloud-Billing-Kontos nicht mehr ändern.

Vereinigtes Königreich

Seit dem Austritt aus der EU gelten im Vereinigten Königreich eigene Regeln. HMRC beschreibt das Reverse-Charge-Verfahren für Leistungen, die ein britisches Unternehmen von einem außerhalb des Vereinigten Königreichs ansässigen Anbieter bezieht, allgemein so: Der Kunde handelt, als wäre er zugleich Leistender und Empfänger, und das gilt auch dann, wenn der Anbieter eine britische Umsatzsteuernummer hat. Die Provider bedienen britische Konten unterschiedlich: AWS über die britische Niederlassung der AWS EMEA SARL, Microsoft im Limited-Risk-Distributor-Modell über eine britische Gesellschaft, und Google schreibt, dass Nutzung durch Kunden im Vereinigten Königreich 20 % Umsatzsteuer unterliegt. Welche Behandlung im Einzelfall gilt, entscheidet Ihr Steuerberater.

Was es für Ihre Kosten bedeutet

In den Abrechnungsdaten steht die Steuer als eigene Position. Im CUR von AWS trägt sie in line_item_line_item_type den Typ Tax, die Steuerart steht in line_item_tax_type, und line_item_legal_entity nennt den Verkäufer, der bei Drittanbietern im AWS Marketplace ein anderer sein kann als AWS. Im Standardexport von Google Cloud nach BigQuery hat die Steuer den cost_type tax und wird je Projekt ausgewiesen; Steuer ohne Projektbezug hat leere Projektspalten. Bei Microsoft ist die Zwischensumme der Rechnung der Betrag vor Steuer, und die Steuer kommt nach Abzug der Azure-Gutschriften hinzu: Gesamtbetrag gleich Kosten minus Azure-Gutschrift plus Steuer.

Für einen Kostenbericht folgen daraus drei Punkte:

  • Netto gegen brutto. Kostenberichte zeigen Nutzung meist ohne Steuer, weil die Steuer an der Rechnung und ihrem Aussteller hängt, nicht am Dienst. Wird sie mitgezählt, steigen die Kosten eines Kontos, sobald sich nur seine Steuerbehandlung ändert. Ob Umsatzsteuer für Ihr Unternehmen Kosten sind, entscheidet Ihr Steuerberater; der Bericht muss nur offen sagen, welche Basis er zeigt.
  • Rechnungswährung. AWS rechnet standardmäßig in US-Dollar ab, die Rechnungswährung lässt sich ändern, und die Spalte line_item_currency_code nennt die Währung jeder Position. Google gibt die Abrechnungswährung je Zeile in currency an. Die Steuer steht in der Währung der Rechnung, und die Umrechnung in Euro oder Pfund gehört zur Kursregel des Berichts.
  • Die Steuernummer verändert den Betrag. In EU-Ländern ohne AWS-Niederlassung entscheidet die gültige TRN, ob AWS lokale Umsatzsteuer berechnet. Fehlt sie, erscheint eine Steuerposition, die ein vergleichbares Konto nicht hat, und der Rechnungsbetrag steigt, ohne dass sich an der Nutzung etwas geändert hat.

Wo es schiefgeht

  • Die Steuernummer fehlt am Konto. Ein Konto zeigt Umsatzsteuer, ein vergleichbares nicht. Ursache: AWS unterscheidet anhand der TRN zwischen geschäftlichen und privaten Kunden, und ohne Nummer wird das Konto anders behandelt.
  • Mitgliedskonten mit eigenen Einstellungen. Bei AWS erben Mitgliedskonten Tax Address und TRN des Zahlerkontos nur, wenn der Zahler die Tax settings inheritance einschaltet; standardmäßig wird jedes Konto einzeln beurteilt. Eine Organisation mit vielen Konten kann deshalb Positionen mit unterschiedlicher Steuerbehandlung erhalten, obwohl ein einziges Unternehmen dahintersteht.
  • Steuer und Nutzung im selben Bericht. Wer die Tax-Positionen des CUR oder die tax-Zeilen des Google-Exports nicht herausfiltert, sieht Kosten, die keine Nutzung sind. Bei Google tragen die Steuerzeilen einen Projektbezug und landen so in Teamberichten.
  • Marketplace-Verkäufer. Im AWS Marketplace kann der Verkäufer eine andere Gesellschaft sein als AWS, wie line_item_legal_entity zeigt, mit eigener Rechnung und eigener Steuerbehandlung. Eine Summe über alle Positionen vermischt dann mehrere Rechnungssteller.
  • Gutschriften vor oder nach Steuer. Microsoft zieht Azure-Gutschriften vor der Steuer ab. Ein Bericht, der Gutschriften erst nach der Steuer verrechnet, kommt auf Beträge, die zu keiner Rechnung passen. Wie Gutschriften steuerlich zu behandeln sind, entscheidet Ihr Steuerberater.

Quellen

Gelesen am 2026-10-15. AWS Steuerhilfe Europäische Union, AWS CUR 2.0: Line-Item-Spalten, AWS Steuerinformationen einrichten, Microsoft Rechnung zum Microsoft Customer Agreement verstehen, Google Google-Vertragsgesellschaften, Google Steuern in Ihrem Land, Google Struktur des Standard-Datenexports, Europäische Kommission Rechnungsstellung und Umsatzsteuer, HMRC VAT Notice 741A: Ort der Dienstleistung.