Eine ungenutzte Ressource läuft und leistet keine Arbeit; eine verwaiste Ressource blieb zurück, als das gelöscht wurde, wozu sie gehörte. Beide erscheinen auf der Rechnung wie jede andere Position, nur dass niemand sie braucht. Sie sind die einfachste Einsparungschance, die es gibt, weil die Änderung keine Architektur berührt, und zugleich die, die am häufigsten liegen bleibt, weil keine Metrik rot wird und kein Team sie bezahlt.
So funktioniert es
Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Ursache verschieden ist. Ungenutzt heißt: Die Ressource ist da, berechnet Stunden oder Kapazität und bekommt keine Anfragen, keine Verbindungen, keine Last. Verwaist heißt: Das Objekt, das sie nutzte, existiert nicht mehr, die Ressource selbst wurde beim Löschen nicht mitgelöscht, weil der Provider sie als eigenständiges Objekt führt. Dieselben Klassen kehren bei allen drei Providern wieder:
- gestoppte Instanzen, deren Platten und statische Adressen weiter berechnet werden;
- nicht angehängte Volumes und alte Snapshots, die das Volume überlebt haben;
- öffentliche IPv4-Adressen ohne zugehörige Ressource, die inzwischen alle drei Provider berechnen: AWS zum selben Satz für genutzte und ungenutzte Adressen, Azure für statische Adressen unabhängig von der zugehörigen Ressource, Google Cloud für reservierte, nicht zugewiesene Adressen zu einem höheren Satz als für genutzte;
- Load Balancer ohne Backend und NAT-Gateways ohne Verkehr, die pro Stunde berechnet werden;
- leere oder unbenutzte Datenbanken und Caches, die Instanzstunden ohne Verbindungen zählen;
- Entwicklungs- und Testumgebungen, die nachts und am Wochenende laufen;
- alte Container-Images, Log-Aufbewahrung ohne Grenze und Backups ohne Ablauf.
In den Abrechnungsdaten erkennt man sie an der Form der Position: Kosten ohne Nutzung der primären Metrik, also Stunden ohne Anfragen, Gigabyte ohne Lesezugriffe, Kapazität ohne Verbindungen. Die Rechnung allein sagt nicht, ob die Ressource gebraucht wird; sie sagt nur, dass sie nichts tut.
Die Provider zeigen diese Ressourcen in ihren eigenen Werkzeugen, jeweils mit dokumentierten Kriterien. AWS Trusted Advisor prüft unter anderem Classic Load Balancer mit weniger als 100 Anfragen pro Tag über sieben Tage, EBS-Volumes, die nicht angehängt sind oder weniger als 1 IOPS pro Tag über sieben Tage hatten, nicht zugeordnete Elastic-IP-Adressen, RDS-Instanzen ohne Verbindung in sieben Tagen, seit mehr als 30 Tagen gestoppte EC2-Instanzen und NAT-Gateways, die in 30 Tagen null Bytes verarbeitet haben. AWS Compute Optimizer ergänzt Idle-Findings: eine EC2-Instanz mit Spitzen-CPU unter 5 % und unter 5 MB Netzwerk pro Tag über 14 Tage, ein Volume ohne Anhang über 32 Tage, ein NAT-Gateway ohne aktive Verbindung, Datenbanken ohne Verbindungen, dazu DynamoDB-Tabellen, Caches und Endpunkte. Azure Advisor führt unter den Kostenempfehlungen nicht angehängte Platten, leere App-Service-Pläne, Cosmos-DB-Container ohne Aktivität in 30 Tagen, seit 60 Tagen gestoppte Data-Explorer-Cluster und Virtual Network Gateways ohne Verbindung. Google Cloud bietet im Recommender den Idle-VM-Recommender mit einem Beobachtungsfenster von standardmäßig 14 Tagen, dessen CPU- und Netzwerkschwellen die Dokumentation nicht beziffert, den Recommender für ungenutzte Persistent Disks, der eine seit 15 Tagen abgehängte Platte zum Snapshot und Löschen vorschlägt, sowie Recommender für ungenutzte IP-Adressen, ungenutzte Images und ungenutzte Cloud-SQL-Instanzen.
Was keines dieser Werkzeuge beantwortet: ob die Ressource gebraucht wird. Das weiß nur, wer sie angelegt hat oder ihre Kosten trägt. Deshalb kommt die Zuordnung vor der Bereinigung: Eine Ressource ohne Verantwortlichen hat niemanden, der das Löschen freigeben kann, und niemanden, der den Snapshot vermisst. Was die Wiederkehr verhindert, sind Lebenszyklusregeln: ein Ablaufdatum als Tag auf allem, was temporär ist, Zeitpläne für Umgebungen, die nur zu Arbeitszeiten gebraucht werden, und Aufbewahrungsrichtlinien für Snapshots, Images und Logs.
Was es für Ihre Kosten bedeutet
Die Einsparung ist der volle Betrag der Position, ab dem Zeitpunkt, an dem die Ressource weg ist, und sie ist erst dann belegt, wenn die Position auf der nächsten Rechnung fehlt. Bis dahin ist sie eine Schätzung, deren Höhe die Werkzeuge aus dem Listenpreis oder, bei AWS mit aktiviertem Savings-Estimation-Modus, aus den Rabatten des Kontos ableiten. Bei Ressourcen unter einem Commitment ist die Einsparung kleiner als die Position: Die Reservierung läuft weiter, und nur der Teil, den sie nicht abdeckte, verschwindet.
Im Kostenbericht erscheint eine ungenutzte Ressource als Position mit Kosten und ohne Nutzung der Metrik, die den Dienst definiert. Diese Form ist die Suche: Instanzstunden ohne CPU, Load-Balancer-Stunden ohne Anfragen, Speicher ohne Zugriffe. Wo die Ressource gestoppt ist, bleibt ein Rest: Platten, Snapshots, statische Adressen und reservierte Kapazität werden weiter berechnet, und dieser Rest ist das, was man nach dem Abschalten sucht. Eine Reservierung, die nach der Löschung leerläuft, erscheint als sinkende Auslastung des Commitments im Bericht dazu und ist der zweite Blick nach jeder Bereinigung; wo eine Ressource bleibt, aber zu groß ist, beginnt das Rightsizing.
Wo es schiefgeht
- Löschen ohne Verantwortlichen: Die Ressource sah ungenutzt aus, weil das Werkzeug ihre Nutzung nicht misst; wer sie brauchte, erfährt es beim Ausfall.
- Der Snapshot war das einzige Backup: Ein alter Snapshot ist nicht wertlos, nur weil sein Volume fehlt. Aufbewahrung ist eine Entscheidung des Verantwortlichen, nicht eine Folge des Alters.
- Eine freigegebene Adresse, auf die ein DNS-Eintrag noch zeigt: Der Provider vergibt sie neu, und der Eintrag zeigt dann auf einen Fremden. Die Adresse wird erst freigegeben, wenn der Eintrag weg ist.
- Die Dev-Umgebung, die niemand abschaltete, weil niemand sie bezahlte: Solange sie in geteilten Kosten verschwindet, hat kein Team einen Grund. Erst eine Zuordnung macht aus der Position eine Entscheidung.
- Die Einsparung ist gebucht, die Ressource ist noch da: Ein Ticket ist keine Löschung. Die Rechnung des Folgemonats ist der einzige Nachweis.
Quellen
Gelesen am 2026-10-15. AWS Trusted Advisor: Prüfungen zur Kostenoptimierung, Compute Optimizer: Empfehlungen für ungenutzte Ressourcen, Amazon VPC: Preise für öffentliche IPv4-Adressen; Microsoft Azure Advisor: Kostenempfehlungen, Preise für IP-Adressen; Google Cloud Überblick über Empfehlungen für ungenutzte VMs, Empfehlungen zu ungenutzten Ressourcen, Liste der Recommender, Netzwerkpreise.