Cloud-Beschaffung ist der Weg, auf dem ein Unternehmen Cloud-Dienste vertraglich bezieht: online zu den Standardbedingungen des Anbieters, über einen Vertrag mit individuellen Preisen und Ausgabenzusage, über den Marketplace (Marketplace-Käufe auf der Cloud-Rechnung) oder über einen Reseller. Der Weg legt fest, wer die Rechnung stellt, welche Preise in den Kostendaten stehen, was bei einer verfehlten Zusage fällig wird und an welchem Datum etwas verlängert wird oder endet. Wie Vertragspreise in den Abrechnungsdaten erscheinen, steht in Enterprise-Verträge und individuelle Preise; wie ein einzelnes Marketplace-Produkt vor dem Kauf geprüft wird, in Kosten in Architektur- und Beschaffungsreviews.

So funktioniert es

Online-Bedingungen haben keine feste Laufzeit. Das AWS Customer Agreement läuft, bis eine Seite kündigt: der Kunde jederzeit per Mitteilung und durch Schließen seines Kontos, AWS mit mindestens 30 Tagen Vorlauf. Gebühren für bereits genutzte Dienste darf AWS nach einer Ankündigung von mindestens 30 Tagen erhöhen oder ergänzen. In den 30 Tagen nach dem Kündigungsdatum ist die Kündigung allein für AWS kein Grund, Inhalte zu löschen; herunterladen kann der Kunde sie, sobald nichts mehr offen ist. Auch die Google Cloud Platform Terms of Service laufen bis zur Kündigung. Der Kunde kann jederzeit schriftlich kündigen, vorbehaltlich finanzieller Zusagen aus einer Order Form oder einem Nachtrag; Google kann GCP-Dienste mit 30 Tagen Frist kündigen und die Gebühren jederzeit ändern, wenn nichts anderes vereinbart ist. Mit dem Vertrag endet ohne abweichende Regelung auch der Zugriff auf Kundendaten. Eine unterschriebene Offline-Fassung tritt an die Stelle der Terms of Service.

KanalAWSAzureGoogle Cloud
OnlineAWS Customer Agreement, unbefristetMicrosoft Online Services Program über die Website; in einigen Regionen Microsoft Customer AgreementTerms of Service, Self-Serve-Konto mit automatischer Belastung des Zahlungsmittels
VertragPrivate Pricing Agreement oder Enterprise Discount ProgramEnterprise Agreement mit Azure Prepayment oder Microsoft Customer Agreement mit einem Microsoft-Vertreter, jeweils auch mit MACCOffline-Vertrag oder Order Form; Invoiced-Konto mit Zahlung auf Rechnung
MarketplaceAWS MarketplaceMicrosoft MarketplaceGoogle Cloud Marketplace
ResellerPartner im Solution Provider oder Distribution Program über Billing TransferCloud Solution Provider unter einem Microsoft Partner Agreement; indirektes Enterprise AgreementReseller, dessen Abrechnungskonto die Unterkonten seiner Kunden bezahlt

Was die Prüfung abfragt

Eine Beschaffungsprüfung hält vor der Unterschrift fest, was später Kosten und Daten bestimmt:

PunktFrage
Laufzeit und KündigungUnbefristet oder fest? Wer kann mit welcher Frist kündigen?
ZusageBetrag, Meilensteine, was angerechnet wird, was bei Unterschreitung fällig wird
VerlängerungAutomatisch oder aktiv, bis wann zu entscheiden, zu welchem Preis danach?
PreisänderungenMit welcher Frist darf der Anbieter Preise erhöhen?
Rechnungssteller und WährungWelche Gesellschaft fakturiert, in welcher Währung? (Umsatzsteuer und Reverse Charge bei Cloud-Rechnungen, Rechnungswährung und Wechselkurse)
KostendatenWelche Preise und Exporte liefert der Kanal?
Daten und AusstiegWechselrechte, Exportumfang, Fristen nach Vertragsende

Kunden eines CSP-Partners sehen ihre Kosten in Azure Cost Management nur, wenn der Partner die standardmäßig ausgeschaltete Richtlinie zur Kostensichtbarkeit einschaltet, und dann zu Pay-as-you-go-Preisen ohne die Rabatte des Partners; Nutzung unter Reservierungen erscheint mit null. Im indirekten Enterprise Agreement kann der Partner einen prozentualen Aufschlag veröffentlichen, und die Zahlen im Portal sind laut Microsoft eine Schätzung. Bei AWS Billing Transfer gehen die Rechnungen an das Konto des Partners, und der Kunde sieht nur Pro-forma-Kosten zu den Preisen, die der Partner in AWS Billing Conductor festlegt.

Für den Ausstieg verlangt Artikel 25 des EU Data Act einen schriftlichen Vertrag, der vor der Unterzeichnung bereitgestellt wird und die Wechselrechte regelt: eine Kündigungsfrist für die Einleitung des Wechsels von höchstens zwei Monaten, einen Übergangszeitraum von höchstens 30 Kalendertagen, den der Anbieter nur bei technischer Undurchführbarkeit auf bis zu sieben Monate verlängern darf, mindestens 30 Kalendertage für den Datenabruf und eine erschöpfende Liste der übertragbaren Datenkategorien. Ab dem 12. Januar 2027 untersagt Artikel 29 Wechselentgelte. Die Folgen für die Kostenplanung beschreibt EU Data Act: Cloud-Wechselkosten vor 2027 richtig planen.

Der Verlängerungskalender

Der Kalender führt jedes Datum, an dem sich ohne Entscheidung ein Preis oder eine Pflicht ändert:

EintragWas zum Datum geschiehtVorwarnung
CommitmentsVerlängerung oder On-Demand-Preis je nach Programm und Einstellung (Tausch, Kündigung und Ablauf von Commitments)je Programm
Azure Enterprise Agreementunbefristete Verlängerung zu Retail-Preisen ohne Rabatt; EA-Guthaben verfällt, laut Microsoft außer im EU-ProgrammLifecycle-Benachrichtigungen an die Kontakte der Registrierung
MACC und Meilensteineein verfehlter Rest wird als Azure-Prepayment-Guthaben berechnetE-Mails 90, 60 und 30 Tage vorher an die Admins des Abrechnungskontos
Google-Vertrag mit Meilensteinenendet der Zeitraum ohne erfüllte Bedingung, gilt der Meilenstein als verfehlt und das Incentive entfälltTracker auf der Seite Incentives, bis zu drei Tage verzögert
SaaS über den MarketplaceAWS: Verlängerung wird beim Kauf gewählt; Azure: ohne wiederkehrende Abrechnung endet das Abonnement am Verlängerungsdatum; Google: Verlängerung, wenn der Hersteller sie anbietet und der Kunde sie einschaltetAzure zeigt das Verlängerungsdatum im Abonnement

Je Eintrag führt der Kalender Enddatum, Entscheidungsfrist (Enddatum minus Kündigungs- oder Einstellungsfrist minus Zeit für die interne Freigabe), Verantwortlichen und die Prognose der Nutzung bis zum Ende. Wer ab welcher Summe unterschreibt, regeln die Freigabeschwellen; gelesen wird der Kalender jeden Monat im Cloud-Kostenreview.

Was es für Ihre Kosten bedeutet

Der Kanal bestimmt die Preisebene, auf der Budgets, Prognosen und Stückkosten gerechnet werden; ein Budget nennt deshalb, auf welche Zahl es sich bezieht, bei einem CSP-Kunden auf die des Portals oder die der Partnerrechnung. Zusagen machen variable Kosten teilweise fix: Ein verfehlter Rest einer MACC wird auch ohne Nutzung berechnet. Enddaten erzeugen Sprünge, die das Jahresbudget mit Datum enthält, etwa ein ausgelaufenes Commitment zum On-Demand-Preis oder ein Enterprise Agreement in der Verlängerung.

Ein Kanalwechsel kostet Historie: Nach einem AWS Billing Transfer sind historische CUR-Dateien unzugänglich, und bei Azure bleiben die Kosten vor dem Wechsel zu einem neuen Partner beim ursprünglichen Abrechnungskonto. Wie weit die Daten sonst zurückreichen, beschreibt Historie der Abrechnungsdaten.

Ob ein Vertrag unterschrieben wird, wie eine Klausel zu lesen ist und ob eine Regel des Data Act greift, beurteilt Ihre Rechtsberatung; wie Vorauszahlungen und Shortfall-Beträge gebucht werden, Ihr Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer.

Wo es schiefgeht

  • Alte Registrierungsnummer fehlt. Symptom: Nach der Verlängerung hängen Konten und Subscriptions noch an der alten Registrierung. Ursache: Eine Verlängerung unter neuer Registrierungsnummer überträgt nur automatisch, wenn der Antrag die alte Nummer nennt.
  • Historie beim Kanalwechsel verloren. Symptom: Nach einem Billing Transfer stehen CUR-Exporte auf „Unhealthy“, alte Dateien fehlen. Ursache: Die Konfigurationen werden mit dem Wechsel inaktiv, und CUR-Dateien und Daten aus AWS Budgets wurden nicht vorher heruntergeladen, wie AWS es empfiehlt.
  • SaaS-Abonnement nicht kündbar. Symptom: Ein Jahresabonnement über den Microsoft Marketplace wird nach der Kündigungsentscheidung weiter berechnet. Ursache: Nach 72 Stunden lassen sich Abonnements mit ausstehenden Zahlungen erst nach der laufenden Abrechnungsperiode kündigen; das Abschalten der wiederkehrenden Abrechnung verhindert nur die Verlängerung.

Quellen

Gelesen am 2026-10-16. AWS AWS Customer Agreement, AWS Security Hub Preise (nennt Private Pricing Agreement und Enterprise Discount Program), Abrechnung an externe Konten übertragen (Billing Transfer), Ankündigung vom 19. November 2025 zu Billing Transfer für Channel-Partner und SaaS-Verträge mit Vorauszahlung im AWS Marketplace; Microsoft Abrechnungskonten im Azure-Portal, EA-Abrechnungsverwaltung im Azure-Portal, Azure-EA-Verträge und Nachträge, MACC verfolgen, Cost Management für Partner und Lebenszyklus von SaaS-Abonnements; Google Cloud Google Cloud Platform Terms of Service, Konzepte von Cloud Billing, Status bedingter Incentives verfolgen und Angenommene Angebote verwalten; EUR-Lex Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act).