Datentransfer wird nicht pro Anwendung berechnet, sondern pro überschrittener Netzwerkgrenze: Daten, die eine Region ins Internet verlassen, zwischen Regionen oder Availability Zones wandern oder ein Gateway passieren, erzeugen jeweils eine eigene Position mit eigenem Preis pro Gigabyte, während eingehender Verkehr bei allen drei Providern fast immer frei ist. Für die Rechnung heißt das: Dieselben Bytes kosten je nach Pfad nichts, einen Cent oder ein Vielfaches davon, und diese Entscheidung fällt in der Architektur, nicht im Code.

So funktioniert es

Alle drei Provider messen Verkehr an denselben Grenzen: aus der Region ins Internet (Egress), zwischen zwei Regionen, zwischen zwei Availability Zones derselben Region, durch ein Gateway oder einen privaten Endpunkt und zu einem CDN. Eingehender Verkehr aus dem Internet ist überall frei, Verkehr innerhalb einer Zone über private Adressen ebenfalls; alles andere hat einen Preis, und die Provider unterscheiden sich darin, welche Grenzen sie berechnen und wie sie staffeln.

AWS

Internet-Egress wird nach Monatsvolumen gestaffelt, über alle Dienste zusammengezählt; die ersten 100 GB pro Monat sind frei, einmal pro Konto über alle Regionen, nicht pro Region. Transfer zwischen Regionen wird der Quellregion berechnet, der Eingang in die Zielregion ist frei. Innerhalb einer Region berechnet AWS Verkehr zwischen Availability Zones in beide Richtungen; Verkehr zwischen EC2 und S3 in derselben Region ist kostenlos. Ein NAT Gateway kostet pro Stunde und pro verarbeitetem Gigabyte, der normale Datentransfer kommt obendrauf. Interface-Endpunkte (PrivateLink) kosten pro Stunde und Availability Zone plus pro verarbeitetem Gigabyte, Gateway-Endpunkte für S3 und DynamoDB nichts. Im Cost and Usage Report erscheinen die Positionen als Usage Types mit Regionspräfix: USE2-DataTransfer-Out-Bytes für Egress aus Ohio ins Internet, USE2-DataTransfer-Regional-Bytes für Verkehr zwischen Zonen (zwei Positionen pro Transfer, eine je Richtung), USE2-APS3-AWS-Out-Bytes für den Transfer in eine andere Region, wobei nur die Out-Position einen Preis trägt. Fehlt das Präfix, stammt der Verkehr aus US East (N. Virginia).

Azure

Microsoft rechnet Internet-Egress als Bandwidth ab, gestaffelt nach Monatsvolumen und nach Zone, einer Gruppe von Regionen zu Abrechnungszwecken; Nordamerika und Europa bilden Zone 1. Die ersten 100 GB pro Monat sind frei, und für den Routing-Pfad über Transit-ISPs statt über das Microsoft-Netz gilt eine eigene, niedrigere Staffel. Transfer zwischen Regionen kostet pro Gigabyte, je nachdem, ob Quelle und Ziel auf demselben Kontinent liegen. Für Availability Zones dokumentiert Microsoft heute, dass Datentransfer zwischen Zonen derselben Region nicht berechnet wird, mit privaten wie mit öffentlichen Adressen; die Preisseite selbst nennt nur den Transfer innerhalb einer Zone ausdrücklich als frei. VPN Gateway und ExpressRoute haben eigene Stunden- und Datenpreise, ExpressRoute wahlweise gemessen pro Gigabyte oder unbegrenzt zum Monatspreis. Azure Front Door und Azure CDN sind eigene Meter: Der Transfer vom Azure-Ursprung zur Edge ist frei, der von der Edge zum Nutzer folgt der Staffel des CDN-Dienstes. In den Kostendetails ist der Transfer an MeterCategory, MeterRegion und MeterName zu erkennen, die die Art des Transfers und seine Region benennen.

Google Cloud

Google unterscheidet zwei Network Service Tiers: Premium Tier führt den Verkehr über Googles eigenes Netz bis nahe zum Nutzer und ist der Standard; Standard Tier übergibt früher ans öffentliche Internet, ist günstiger und nur für regionale Ressourcen verfügbar. Internet-Egress im Premium Tier wird nach Zielregion und Volumen gestaffelt, im Standard Tier nach Quellregion; für Standard Tier dokumentiert Google 200 GiB pro Monat frei, pro Abrechnungskonto über alle Regionen. Transfer zwischen Regionen kostet pro GiB nach Kontinentpaar. Innerhalb einer Region ist Verkehr zwischen Zonen kostenpflichtig, über interne wie über externe Adressen, während Verkehr innerhalb derselben Zone über interne Adressen frei ist; jeder Verkehr über externe IPv4-Adressen verlässt die Zone, unabhängig vom Ziel. Cloud NAT kostet pro Stunde, abhängig von der Zahl der angeschlossenen VMs bis zu einer Obergrenze, plus pro verarbeitetem GiB; der Egress kommt obendrauf. Im Abrechnungsexport trägt jede Transferposition ihre sku.description und ihre location.region.

Für den Wechsel zu einem anderen Anbieter gelten eigene Regeln: AWS und Google Cloud gewähren auf Antrag und in einem dokumentierten Zeitfenster kostenlosen Datentransfer ins Internet, wenn ein Kunde alle Daten eines Dienstes abzieht; Microsoft nennt kostenlosen Egress für Kunden, die Azure verlassen, und für Organisationen mit Rechnungsadresse in EWR, EFTA oder UK einen Transfer zum Selbstkostenpreis bei paralleler Nutzung mehrerer Anbieter. Was das für die Planung bedeutet, beschreibt EU Data Act: Cloud-Wechselkosten vor 2027 richtig planen.

Was es für Ihre Kosten bedeutet

Den Preis bestimmt der Pfad, nicht die Anwendung. Ein Backend, das Objekte aus einem Bucket liest, zahlt nichts über einen Gateway-Endpunkt in derselben Region, den NAT-Preis pro Gigabyte über ein NAT Gateway und Internet-Egress, wenn der Bucket in einer anderen Region über öffentliche Adressen angesprochen wird. Dieselben Bytes, drei Preise.

In den Abrechnungsdaten steht der Transfer nie beim verursachenden Dienst, sondern als eigene Position mit eigenem Usage Type, Meter oder SKU, oft ohne Ressourcen-ID: AWS lässt line_item_resource_id für Datentransfer leer, Azure rechnet Netzwerkbandbreite als eigene Gebühr ab, deren Preis auf der Bandwidth-Preisseite steht und nicht beim Dienst, der die Daten bewegt hat. Ein Kostenbericht nach Dienst zeigt Netzwerk deshalb als eigenen Block, und erst die Aufteilung nach Usage Type und Region sagt, welche Grenze das Geld kostet. Tags helfen wenig, weil die Transferposition am Pfad hängt, nicht an der getaggten Ressource.

Der Hebel liegt in der Architektur: Zonen, Regionen, Endpunkte und CDN. Ob Replikate in einer Zone oder über drei verteilt sind, ob ein Dienst über einen privaten Endpunkt oder über NAT erreicht wird, ob Nutzer aus dem Cache oder aus dem Ursprung bedient werden, ob eine Zweitregion gebraucht wird: Jede dieser Entscheidungen setzt den Preis pro Gigabyte, und keine lässt sich nachträglich mit einem Rabatt ersetzen.

Wo es schiefgeht

  • Zonenverkehr einer Datenbankreplik. Symptom: DataTransfer-Regional-Bytes oder die Inter-Zone-SKU wächst mit der Last, nicht mit den Nutzern. Ursache: Primärinstanz und Replik stehen in verschiedenen Zonen, und AWS wie Google berechnen beide Richtungen.
  • NAT Gateway für S3-Verkehr. Symptom: Die NAT-Position pro Gigabyte übersteigt die Speicherkosten des Buckets. Ursache: Private Subnetze erreichen S3 über das NAT Gateway statt über einen Gateway-Endpunkt ohne Stunden- und Datenpreis.
  • Replikation zwischen Regionen, die niemand budgetiert hat. Symptom: AWS-Out-Bytes oder ein Inter-Region-Meter erscheint in einem Monat neu. Ursache: Eine Bucket-Replikation, ein Backup-Ziel oder eine Datenbankreplik in einer Zweitregion wurde aktiviert, ohne den Preis pro Gigabyte zu budgetieren.
  • Die Freigrenze pro Region gerechnet. Symptom: Egress-Kosten trotz „100 GB frei“ in jeder Region. Ursache: AWS zählt das Freikontingent einmal je Konto über alle Regionen; Azure gewährt es über alle Regionen, Google die 200 GiB des Standard Tier ebenso.
  • CDN ohne Caching. Symptom: Die CDN-Position wächst parallel zum Egress des Ursprungs, statt ihn zu ersetzen. Ursache: Cache-Header fehlen oder jede Antwort gilt als nicht cachebar, sodass jeder Request zum Ursprung durchgereicht wird und beide Ebenen abrechnen.
  • Ingress am anderen Ende berechnet. Symptom: Ein „kostenloser“ Datenimport erscheint trotzdem auf einer Rechnung. Ursache: Eingehender Verkehr ist beim Empfänger frei, aber die Quelle, ein anderes Konto, eine andere Region oder ein anderer Provider, zahlt den Egress.

Beispiel

Listenpreise in USD, gelesen am 2026-10-15: AWS NAT Gateway in US East (Ohio) 0,045 USD pro Stunde plus 0,045 USD pro verarbeitetem GB; Azure Internet-Egress aus Europa (Zone 1) über das Microsoft-Netz nach den ersten 100 GB pro Monat 0,087 USD pro GB für die nächsten 10 TB; Google Cloud Verkehr zwischen zwei Zonen derselben Region 0,01 USD pro GiB.

Quellen

Gelesen am 2026-10-15. Amazon EC2 On-Demand-Preise, Abschnitt Datentransfer, Amazon VPC Preise, Preise für AWS PrivateLink, Datentransferkosten im Cost and Usage Report, Line-item-Spalten, Kostenloser Datentransfer ins Internet beim Wechsel weg von AWS, Azure Bandwidth Preise, Preise für ExpressRoute, Preise für VPN Gateway, Azure Availability Zones, Azure Datentransfer-Gebühren in Europa, Azure-Abonnement kündigen, Felder der Nutzungsdetails verstehen, Kosten für Azure Blob Storage planen und verwalten, Google Cloud Netzwerkpreise, Preise für Cloud NAT, Google Cloud Exit: kostenloser Datentransfer.