Cloud-Lizenzkosten entstehen auf zwei Wegen: Entweder ist die Lizenz für Windows Server, SQL Server, Red Hat Enterprise Linux oder SUSE im Stundenpreis der Instanz oder des Images enthalten, oder ein Unternehmen bringt vorhandene Lizenzen mit, Bring Your Own License (BYOL), und zahlt beim Anbieter nur die Infrastruktur. Zwei gleich große Maschinen kosten deshalb je nach Lizenzweg verschieden viel, und welcher Weg offensteht, legen die Lizenzbedingungen des Softwareherstellers fest, nicht die Cloud-Anbieter allein.

So funktioniert es

Lizenz im Preis

Bei AWS enthalten Windows-AMIs auf Amazon EC2 und Amazon RDS for SQL Server im Modell License Included die Microsoft-Lizenz. RDS for SQL Server weist die Lizenz für neuere Instanztypen getrennt aus (unbundled): die Instanz pro Stunde, die Lizenz pro vCPU und Stunde, wobei Optimize CPU die lizenzierten vCPUs senkt. Bei Azure enthalten Pay-as-you-go-VMs mit Windows und Azure SQL Database im vCore-Modell die Lizenz, die Datenbank als Anteil neben der Basisrechenleistung. Google Cloud berechnet Premium-Images zusätzlich zum Maschinentyp: Windows Server pro sichtbarer vCPU, SQL Server pro Kern mit mindestens 4 Kernen je Instanz, RHEL seit 2024-07-01 pro Kern, SLES nach Maschinentyp, jeweils mit einer Minute Mindestdauer und danach sekundengenau. Spot VMs senken die Image-Kosten nicht.

Mitgebrachte Lizenzen

Azure Hybrid Benefit gilt für Windows-Server- und SQL-Server-Kernlizenzen mit aktiver Software Assurance oder qualifizierenden Abonnementlizenzen sowie für RHEL- und SLES-Abonnements. Eine Windows-VM kostet dann die Basisrate, die der Linux-Rate entspricht. Je VM sind mindestens 8 Kernlizenzen nötig, eine Prozessorlizenz zählt als 16. Lizenzen der Standard Edition laufen entweder lokal oder in Azure, mit einer einmaligen Überlappung von bis zu 180 Tagen für die Migration; die Datacenter Edition erlaubt für VMs die gleichzeitige Nutzung ohne Frist.

Bei AWS bringt License Mobility, ein Vorteil der Software Assurance, berechtigte Produkte wie SQL Server, SharePoint Server oder Exchange Server auf EC2 mit Standard-Tenancy und, als Bring Your Own Media, auf RDS for SQL Server. Windows Server ist laut AWS nach den Microsoft Product Terms nicht für License Mobility berechtigt; für mitgebrachte Windows-Server-Lizenzen nennt AWS nur EC2 Dedicated Hosts, wenn die Lizenz vor dem 2019-10-01 erworben wurde (oder als True-up eines davor wirksamen Enterprise Enrollment) und die Version vor diesem Datum verfügbar war. AWS License Manager verfolgt dabei den Lizenzverbrauch.

Google nennt bei mitgebrachten Lizenzen nur Kosten für die Compute-Engine-Infrastruktur. SQL Server und SharePoint Server sind laut Google typischerweise über License Mobility möglich, Windows Server typischerweise nicht; es kann über Outsourcing Software Management Rights in Frage kommen, wenn Version und Erwerb vor dem 2019-10-01 liegen und die VMs auf Sole-Tenant-Knoten laufen. Images auf Basis eines Premium-Images sind für BYOL ausgeschlossen.

Der Stichtag 2019-10-01

Microsoft hat zum 2019-10-01 die Outsourcing-Bedingungen geändert: Lokale Lizenzen ohne Software Assurance und Mobilitätsrechte dürfen seitdem nicht auf dedizierten gehosteten Cloud-Diensten der Listed Providers laufen, also Microsoft, Alibaba, Amazon (einschließlich VMware Cloud on AWS) und Google. Vorher gekaufte Lizenzen behalten laut Microsoft ihre Rechte für die damaligen Versionen, und die Änderung gilt nach Microsofts Angabe nicht für andere Anbieter. Ob eine bestimmte Lizenz in Frage kommt, entscheiden die Produktbedingungen des Herstellers und der eigene Vertrag; diese Frage beantworten Lizenzberatung und Rechtsabteilung, nicht die Kostenanalyse.

AnbieterLizenz im PreisEigene LizenzHardwarebedingungAuf der Rechnung
AWSWindows-AMIs auf EC2, RDS for SQL ServerLicense Mobility; laut AWS: Windows Server nur mit Erwerb vor 2019-10-01Dedicated Hosts ohne Mobilityim Instanzpreis, bei RDS unbundled als eigener Anteil
AzurePay-as-you-go-VMs und vCore-DatenbankenAzure Hybrid Benefitkeine für VMsBasisrate wie Linux
Google CloudPremium-ImagesLicense Mobility, Outsourcing Software Management RightsSole-Tenant-Knoten ohne MobilityImage zusätzlich zum Maschinentyp

Was es für Ihre Kosten bedeutet

Der Lizenzanteil steckt bei AWS meist unsichtbar im Instanzpreis; erst der Vergleich mit der Linux-Rate desselben Typs zeigt ihn. Getrennt sichtbar ist er bei RDS for SQL Server mit unbundled Preisen und bei Google, wo das Premium-Image neben dem Maschinentyp steht. Bei Azure erkennt man VMs mit Hybrid Benefit in den Abrechnungsdaten am Feld Additional Info mit "ImageType":"WindowsServerBYOL"; die Abrechnung folgt mit einigen Stunden Verzögerung. Die Preise der Maschine beschreibt Virtuelle Maschinen und Instanzfamilien, die Lizenzen der Datenbanken Verwaltete Datenbanken.

Verlangen mitgebrachte Lizenzen dedizierte Hardware, verschiebt sich die Rechnung: Ein EC2 Dedicated Host kostet pro Sekunde, solange er zugewiesen ist, ob Instanzen darauf laufen oder nicht, und Google nennt Sole-Tenant-Knoten ausdrücklich als zusätzliche Kosten. Die Lizenzwahl ist damit eine Einsparungschance, deren Ergebnis von der Auslastung der Hosts abhängt. Für Dedicated Hosts gibt es eigene Reservierungen und Savings Plans, ähnlich den Reserved Instances, und Azure Hybrid Benefit lässt sich mit Reservierungen kombinieren; den Ausgangspunkt beschreiben die On-Demand-Preise.

Vertragskonditionen mit individuellen Preisen behandelt Enterprise-Verträge und individuelle Preise, Software aus einem Marketplace Marketplace-Käufe auf der Cloud-Rechnung.

Wo es schiefgeht

  • Hybrid Benefit ohne Lizenzdeckung. Symptom: Windows-VMs laufen zur Linux-Rate, aber eine Inventur zeigt mehr Kerne als Lizenzen. Ursache: Der Benefit wird pro VM eingeschaltet, den Abgleich mit dem Lizenzbestand führt das Unternehmen selbst, und Microsoft behält sich Audits vor.
  • Software Assurance ausgelaufen. Symptom: VMs laufen nach Ablauf der Software Assurance weiter zur Linux-Rate. Ursache: Hybrid Benefit gilt nur während der Laufzeit von Software Assurance oder Abonnement; danach muss laut Microsoft das Unternehmen verlängern, den Benefit abschalten oder die Workloads abbauen.
  • Halb leerer Dedicated Host. Symptom: Hohe Host-Stunden bei wenigen Instanzen. Ursache: Der Host kostet, solange er zugewiesen ist, unabhängig von der Belegung.
  • Spot macht Windows nicht billiger. Symptom: Auf Google Spot VMs bleiben die Kosten für Windows- oder SQL-Server-Images gleich. Ursache: Spot-Preise gelten für den Maschinentyp, nicht für Premium-Images.
  • Kleine SQL-Server-Instanzen. Symptom: Eine Instanz mit 2 vCPUs trägt Lizenzkosten für 4. Ursache: Google und AWS berechnen SQL Server mit mindestens 4 Kernen bzw. vCPUs je Instanz.

Beispiel

Listenpreise in USD, gelesen am 2026-10-16: Google Compute Engine, in allen Regionen gleich, 0,046 USD je sichtbarer vCPU und Stunde für Windows-Server-Images und 0,12 USD je Kern und Stunde für SQL Server Standard; AWS, laut Preisseite in allen Regionen gleich, 0,046 USD je vCPU und Stunde für Windows-Server-AMIs auf Dedicated Hosts und in Europe (Frankfurt) 8,096 USD je Stunde für einen Dedicated Host der Familie m6i.

Quellen

Gelesen am 2026-10-16. Microsoft-Lizenzen auf AWS, AWS Windows FAQ, Was ist AWS License Manager?, Amazon EC2 Dedicated Hosts Preise, Amazon RDS for SQL Server Preise, Azure Hybrid Benefit für Windows Server, Azure Hybrid Benefit für Azure SQL Database und SQL Managed Instance, Azure Hybrid Benefit, Microsoft: geänderte Lizenzbedingungen für dedizierte gehostete Cloud-Dienste, Microsoft-Lizenzen auf Google Cloud, Eigene Lizenzen auf Compute Engine, Compute Engine Preise für Datenträger und Images.