AWS Cost Explorer ist das Analysewerkzeug der Konsole AWS Billing and Cost Management, AWS Budgets ihr Werkzeug für Schwellenwerte: Das eine zeigt, was AWS gekostet hat und voraussichtlich kosten wird, das andere meldet, wenn Kosten oder Nutzung eine festgelegte Grenze überschreiten. Für viele Teams ist diese Konsole der erste und oft einzige Blick auf die AWS-Rechnung. Welche Zahl sie zeigt, hängt aber vom Konto ab, mit dem man hineinschaut, von der gewählten Kostengröße und davon, was vorher freigeschaltet und getaggt wurde. Wer diese drei Stellschrauben kennt, liest die Zahlen richtig und erkennt, wann ein Kostenbericht eine andere Datenquelle braucht.
So funktioniert es
Cost Explorer zeigt den laufenden Monat und bis zu 13 Vormonate in täglicher und monatlicher Granularität, dazu eine Prognose für die nächsten 18 Monate. AWS aktualisiert die Daten mindestens einmal in 24 Stunden; sie reichen bis zum Vortag und stammen laut AWS aus demselben Datensatz wie der Cost and Usage Report. Die Oberfläche ist kostenlos, alle Beträge erscheinen in US-Dollar, und einmal aktiviert lässt sich Cost Explorer nicht wieder abschalten.
Das Verwaltungskonto einer AWS-Organisation kann in den Cost Management Preferences weitere Daten freischalten: bis zu 38 Monate Historie in monatlicher Granularität, stündliche Daten für alle Dienste und Daten auf Ressourcenebene, täglich für ausgewählte Dienste oder stündlich für EC2-Instanzen. Stündliche und ressourcengenaue Daten reichen nur 14 Tage zurück. Eine geänderte Einstellung braucht bis zu 48 Stunden, bis sie in Cost Explorer sichtbar ist.
Jede Ansicht lässt sich nach einer Dimension gruppieren, etwa Dienst, Konto, Region, Nutzungsart, Tag oder Kostenkategorie, und nach mehreren Dimensionen filtern. Eine Ansicht kann als Bericht gespeichert und als CSV heruntergeladen werden. Welche Kostengröße Cost Explorer zeigt, legt die Einstellung unter Advanced options fest:
| Kostengröße | Was sie zeigt |
|---|---|
| Unblended | Kosten der Nutzung zum jeweiligen Preis, Rabatte als eigene Positionen |
| Amortized | Vorauszahlungen und monatliche Gebühren für Reservierungen und Savings Plans, über den Zeitraum verteilt |
| Blended | Durchschnittspreise über die konsolidierte Abrechnungsfamilie |
| Net unblended | Unblended nach allen Rabatten |
| Net amortized | Amortisiert, einschließlich Rabatten |
Ohne Amortisierung erscheint die Gebühr einer Reserved Instance als Spitze am Tag der Belastung. Die amortisierten Kosten verteilen sie auf die Tage, an denen das Commitment genutzt wird.
Die Cost Explorer API liefert dieselben Daten programmatisch. Anders als die Oberfläche ist sie kostenpflichtig: AWS berechnet jede paginierte Anfrage.
AWS Budgets überwacht Kosten und Nutzung gegen selbst gesetzte Budgets und warnt, wenn die Kosten einen festgelegten Schwellenwert überschreiten; wie Budgets aufgebaut werden, behandelt das Kapitel „Budgets, Prognosen und Finanzen“. Cost Anomaly Detection meldet automatisch, wenn AWS eine Anomalie in den Kosten erkennt.
Für die Zuordnung gibt es zwei Mittel. Cost Allocation Tags machen Tags zur Dimension in Cost Explorer, aber erst, wenn sie aktiviert sind, und den Tag-Manager dafür sehen nur das Verwaltungskonto und eigenständige Konten. Bis ein Tag in der Konsole erscheint, können 24 Stunden vergehen. Kostenkategorien ordnen Kosten über Regeln Teams, Anwendungen oder Umgebungen zu und können geteilte Kosten über Aufteilungsregeln verteilen.
Die Seite Bills zeigt die Rechnung: Kosten nach Dienst und, im Verwaltungskonto, nach Konto, dazu Rechnungen, Einsparungen und Steuern je Dienst. Ein offener Monat steht auf Pending und zeigt geschätzte Kosten, ein abgeschlossener auf Issued. Unter Payments stehen offene Beträge und die Zahlungshistorie. Die vollständigen Positionsdaten liefert Data Exports als wiederkehrenden Export, etwa als CUR 2.0 oder FOCUS 1.2, zwischen denen AWS CUR 2.0 oder FOCUS 1.2 abwägt. Was diese Daten enthalten, beschreibt das Kapitel „Abrechnungsdaten und Standards“.
Was es für Ihre Kosten bedeutet
Cost Explorer beantwortet die Frage, was AWS kostet, aus Sicht des Kontos, das hineinschaut. Das Verwaltungskonto sieht alle Kosten der Organisation. Ein Mitgliedskonto sieht nur seine eigenen Kosten und auch die nur, solange das Verwaltungskonto den Zugriff freigibt, was es nur für alle Mitgliedskonten oder für keines kann. Was ein Team in seinem Konto sieht, ist deshalb ein Ausschnitt: Kosten, die zentral anfallen, etwa ein Commitment oder ein gemeinsam genutztes Netzwerkkonto, fehlen darin.
Die Konsole sieht nur AWS. Andere Clouds, SaaS-Rechnungen und Umsatz- oder Nutzerzahlen für Unit Economics kommen in ihr nicht vor. Ohne Freischaltung endet die Historie nach 13 Monaten, mit Freischaltung nach 38 Monaten in Monatsauflösung; Ressourcendaten gibt es nur für 14 Tage. Und was weder getaggt noch einer Kostenkategorie zugeordnet ist, kann Cost Explorer nur als nicht getaggt ausweisen.
Ihre Stärke liegt in der schnellen Frage: welcher Dienst gestiegen ist, in welcher Region und seit wann. Für die Monatsrechnung ist die Bills-Seite maßgeblich, für Auswertungen über mehrere Quellen der Export.
Wo es schiefgeht
- Das Mitgliedskonto als Gesamtbild. Ein Team sieht in seinem Konto stabile Kosten, während die Rechnung steigt. Die Ursache sind geteilte Kosten in zentralen Konten, die ein Mitgliedskonto nicht sieht.
- Unblended und amortisiert vermischt. Ein Bericht zeigt am Monatsersten eine Spitze, ein anderer nicht, und beide gelten als „die Kosten“. Der eine rechnet unblended, der andere amortisiert. Wer Teams Kosten zuordnet, legt eine Kostengröße fest und bleibt dabei.
- Die API als Datenquelle für Skripte. Ein Dashboard oder Skript fragt die Cost Explorer API in kurzen Abständen ab, obwohl sich die Daten höchstens im Tagesrhythmus ändern. Jede paginierte Anfrage wird berechnet und erscheint als eigene Position auf der Rechnung.
- Tags, die erst später zählen. Ein neuer Tag wird an Ressourcen gesetzt, aber nicht als Cost Allocation Tag aktiviert, und die Kosten bleiben in Cost Explorer nicht zugeordnet. Die Aktivierung liegt beim Verwaltungskonto, nicht beim Team.
- Die Konsole als Basis für Verknüpfungen. CSV-Downloads aus Cost Explorer werden mit anderen Quellen in einer Tabelle zusammengeführt. Die Downloads sind aggregiert und hängen von Kostengröße, Filtern und Datenstand ab; eine reproduzierbare Verknüpfung braucht den Export.
Beispiel
AWS veröffentlicht für Cost Explorer diese Preise in US-Dollar (gelesen am 2026-10-15): Die Oberfläche kostet nichts. Jede paginierte Anfrage an die Cost Explorer API kostet 0,01 USD für die primäre Abrechnungsansicht. Für eine benutzerdefinierte Abrechnungsansicht berechnet AWS 0,01 USD je Quelle, bei fünf Quellen also 0,05 USD je Anfrage. Stündliche Granularität kostet 0,00000033 USD je Nutzungsdatensatz und Tag, nach Angabe von AWS 0,01 USD je 1.000 Nutzungsdatensätze im Monat, berechnet auf die stündlichen Datensätze der letzten 14 Tage.
Quellen
Gelesen am 2026-10-15. AWS Überblick über Billing and Cost Management, Cost Explorer, Zugriff auf Cost Explorer steuern, Mehrjahres- und Detaildaten konfigurieren, Kostengrößen unter Advanced options, Preise für Cost Explorer, Cost Allocation Tags, die Seite Bills.